Mal was anderes: Dreaming Spires

*** ENGLISH UNDERNEATH ***

Deutschsprachkurs. Im zweiten Jahr. Noch mehr als zwanzig Monaten stehen zwischen uns und den Abschlussprüfungen, also dürfen wir von den Starrheiten des Lehrplans ein bisschen abweichen. Eine Idee von unserer Lektorin. Bei uns ist Übersetzung ein bisschen langweilig geworden. Grammatik finden wir jetzt einfach. Deshalb müssen wir irgendwas schreiben. Irgendwas, was ungefähr zwei Seiten lang und auf Deutsch geschrieben ist. Das Thema ist so vage, wie ein Thema sein kann: Oxford.

Die Aufsätze, die wir produzieren, sagt viel über die 2013 Exeter-Trinity Deutsche Klasse aus: eine Vermischung von Persönlichkeiten. Ein Aufsatz in Anlehnung an einem Zeitungsartikel, mit Zitationen, über das Thema College-Hochzeiten. Eine voll genaue Geschichte eines Bibliotheks, mit Fakten und Daten und Namen. Eine Ode an Brunch: sechs Strophen von Reimpaaren und heraussprudelnden Adjektiven. (Na, raten Sie einmal, wer das geschrieben hat?!). Und von mir: etwas, dass etwas anderes sein will. Schöne Prosa. Reflektierend. Anders. (Und so schreibe ich oft. Warum schreibe ich diese erste Absätze im Präsens? Ich weiß nicht). Mein Aufsatz trägt den Titel “Der Hof”, und darin versuche ich, ein Porträt des Colleges zu zeichnen, indem ich in die Fenstern und Treppenhäusern schauen. Ich reiche meinen Aufsatz bei meiner Lektorin ein. Eine Woche später kommt mein Aufsatz zurück, mit Häckchen und einem Smiley. (Oxford, genau). Nach der Klasse, lege ich den Aufsatz beiseite, und ich schlage mir die Sache aus dem Kopf.

Bis jetzt. Ich sitze am Schreibtisch in regnerischen Wolverhampton. Mein lang ersehnte Monat zu Hause ist fast vorbei; meine Erinnerungen an Leipzig verstauben; ich muss bald für Frankreich verpacken. In der letzten Tagen ist es mir in den Sinn gekommen, dass dieses Blog eigentlich eine Abtretung für mein Deutschkurs ist, und dass ich monatlich etwas auf Deutsch schreiben muss. (Felix und ich fragen uns aber, ob wir das Projekt ein bisschen zu ernst nehmen). Einfach, nach einem Monat von deutschen Gesprächen und Wurst. Und es wird einfach sein, wenn auch merkwürdig, über meine Abenteurer in Frankreich auf Deutsch zu schreiben. Aber wie sollte ich das Februar-Blog schreiben? Es wäre ganz langweilig, einfach von meiner schönen Zeit in England (von Hausmannskost, von meinem eigenen Bett, von meinen Freunden in Oxford, und  von Evensong) zu schwärmen.

Aus den Tiefen meiner Erinnerung taucht meinen Aufsatz über den Hof auf. Ich entscheide, ihn wieder zum Leben zu erwecken. Ich mache einige Änderungen. Und dann publiziere ich den Aufsatz hier, in seiner ganzen zurückschreckende Pracht.

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Unser Hof ist ästhetisch perfekt. In Christ Church und Keble sind die Höfe meiner Meinung nach zu groß, zu überwältigend, zu einschüchternd. Es ist nicht zu leugnen, dass diese Colleges unglaublich schön sind, aber sie scheinen mir leer und kühl, ohne Persönlichkeit, von diesem weiten, unbewohnten Raum dominiert. Am anderen Ende der Skala gibt es die Höfe von Jesus, Lincoln, und Teddy Hall, die dunkel sind, so klein sind sie. Da könnte man Platzangst kriegen. Der Hof von Exeter besitzt die richtige Größe. Man kann schnell von einer Seite zu anderen gehen. Man kann Leute auf der anderen Seite erkennen, und ihnen winken.

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Mit dem Wein, der sich an den Wänden empor rankt, und den schönen Buntglasfenstern der Kapelle, sieht der Hof malerisch und reizend aus. Es überrascht mich immer noch, dass man dem geschäftigen, lebhaften Stadtzentrum entfliehen kann, indem man durch das Tor von Exeter kommt. Hier, ganz im Zentrum der Stadt, findet man einen offenen Raum; eine Oase der Ruhe und Schönheit. Das soll nicht heissen, dass der Hof nicht lebhaft ist. Auf den Bänken, die vor den Wänden stehen, sitzen Studenten, Fellows, Besucher, tief im Gespräch. Manchmal sitze ich allein im Hof, um ein Buch zu lesen, oder einfach zu denken.

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Für mich ist der Hof mit jeden Aspekt vom Leben im College untrennbar verbunden. Als ich Exeter zum ersten Mal besuchte, war es der Blick des Hofes, den ich durch die Tore sah, der mich einnahm. Auf diesem Hof wurde ich mit Leuten bekannt gemacht, die jetzt meine Lieblingsfreunde sind. Im Sommer sitzen wir hier. Wir essen, wir reden, wir lungern auf der Rasenkante herum. Der Rasen ist saftgrün und schön, aber auch unerreichbar. Betreten des Rasens verboten. Wir sind aber Studenten. Wir sind jung und frei. Wir verletzen die Regeln: mitten in dunkler Nacht laufen wir von Ecke zu Ecke, fröhlich, lachend. Am nächsten Morgen existiert die unsichtbare Sperre zwischen dem Rasen und dem Pfad noch wieder.

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Auf diesem Hof steht die Kapelle, in der der Chor singt. Von außen kann man die eindringlich schöne Musik hören. Melodien schweben im Hof herum. Später erhält man ein Echo dieses himmlischen Klanges zurück. Auf der anderen Seite des Hofes findet man einen ganz anderen Klang. In der Gaststube spielen Gitarren. Leute singen mit ihnen. Die Klänge des College-Lebens – gedämpfte Stimmen, das entfernte Läuten der Glocke, die Rezitation lateinischer Verben – vermischen sich im Hof und hallen rund um die Wände wider.

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Hier, auf dem Hof, kommen wir zusammen. Indem man aus dem Tor tritt, beginnt man, seinem eigenen Pfad zu folgen. Wer weiß, was uns die Zukunft bringen wird? Alles ist möglich. Aber hier, in den Zimmern, die den Hof umringen, sind wir verwurzelt. Hinter jedem Fenster ein eigenes Leben. Manchmal sitze ich hier, auf der Bank. Ich bestaune die Schönheit des Hofes. Ich erinnere mich daran, dass ich, auch wenn ich mir über einen Aufsatz Sorgen mache, ungewöhnlich großes Glück habe, diese spezielle Atmosphäre zu kennen. Dann bin ich gespannt, was als Nächstes kommt.

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*** ENGLISH ***

German language class, second year. It’s more than twenty four months until finals, so we can stray from the rigidness of the syllabus a little. Our tutor’s idea. Translation has become mechanic and grammar has become less challenging and so we are set with the task of writing something. Anything, as long as it’s around two pages long and in good German. The theme is about as vague as a theme can be: Oxford. 

What we produce says a lot about the mixing pot of personalities that makes up the Exeter-Trinity German class of 2013. A newspaper-type article, complete with quotations, about college marriage. An incredibly thorough history of a library, with facts and dates and names. An ode to brunch: six stanzas of rhyming couplets and gushing adjectives. (Guess who). And my offering: something trying to be something different. Pretty prose. Reflective. Different. (I do this a lot. Why are these opening paragraphs in the present tense? I don’t know). It’s a piece entitled ‘Der Hof’ – the quad – in which I paint a portrait of college, peeping into the windows and staircases that stem from it. I hand it in and a week later it returns, with ticks and a smiley face. (Yes, I know, this is Oxford). I file it away after the tute and forget all about it.

Until now. I’m sitting at my desk in rainy Wolverhampton. It’s my long-anticipated month off from year abroad; Leipzig memories are gathering dust; packing for France looms. I’ve remembered that this blog is technically a German assignment – although Felix and I are wondering whether we’re taking it a little too seriously – and that I am supposed to be writing a post in German every month. Fine, when I’ve spent the month fuddling through German conversations and eating Wurst. It will be fine, if a little counter-intuitive, to write about my French adventures in German. But how to do the February post? A gushing account of what a treat it has been to eat home-cooked food and sleep in my own bed and see all of my lovely friends in Oxford and sing at evensong would be dull at best. 

From somewhere in the depths of my memory, I remember writing about the quad, and decide to resuscitate it. I tweak it. And I post it here, in all its gut-wrenchingly-cringy glory.

(I promise it’s not so dreadful in German…)

(Disclaimer: I nearly didn’t post this because the English reads so cringingly. Agh).

It’s a perfect size, our quad. Not like the quads of Christ Church and Keble: too big, too overwhelming, too intimidating. They’re beautiful, certainly, but they’re empty and cold; without personality; dominated by this far-stretching, uninhabited space. At the other end of the scale sit the quads of Jesus, of Lincoln, of Teddy Hall. They’re so small that they’re dark. Claustrophobic. Exeter’s quad is just right. To walk from one side to the other doesn’t take long. Friends on the other side are near enough to recognise, to smile at, to wave at.

Our quad, with its vines that creep their way from floor to roof, and the chapel’s beautiful stained glass windows, is charming. Picturesque, even. It still surprises me how easy it is to escape the hustle-and-bustle of the city centre, just by stepping through the Exeter gates. Here, right in the heart of Oxford, there’s an open space; an oasis of calm and beauty. Calm, but brimming with life. Students, fellows and visitors perch on the benches that line the walls, deep in conversation. Sometimes I sit alone, to read, to think.

The quad is, I think, inextricably linked with every little piece of college life. When I visited Exeter for the first time, it was the glimpse of this space through the gates that drew me in. It was here that I first met the people I now call my best friends. We wile away hours here in the summer, eating, chatting, lingering at the edge of the lawn. The grass is sap green and lush, but out of reach. Do not walk on the grass. But we’re students. We’re young and free. We break the rules. Sometimes, late at night, we’ve run from corner to corner, gleeful, laughing. The next morning the invisible barrier between the path and the grass always exists once more.

The chapel stands here too, with the choir singing inside. But the music is clear and vivid and beautiful from outside too. Melodies float out into and around the quad. Moments later, a haunting echo. On the other side of the grass there’s another noise, a very different one: guitars in the bar, with voices singing along. All of the sounds of college life – muffled voices, distant bells, recitation of verbs (ha) – mingle here in the quad, and reverberate from wall to wall.

It’s here, in the quad, that we come together. To step out of the gates is to begin to follow a path of one’s own, with all the possibility and mystery of the future. But here, in the rooms that surround the quad, our roots have been planted. A different life behind every window. Sometimes I sit on the bench out here, just to take it all in. I feel lucky to know it; happy in a way that dispels any essay-blues. I can’t wait to see what happens next.

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One Comment

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  1. This reminds me of the blog I wrote as a student. My first year entries are a lot like this–Frances deciding to publish one in the Exeter At 700 book is probably the most cringe moment of my life. It’s also beautiful and a truthful reflection of how the place makes you feel, so…you know…that’s worth something.

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