Zwei beliebte Kirchen

***  English below ***

Ich habe diesen Blog aus zwei Grunden gestartet. Zuerst: ich wollte das machen. Schreiben gefällt mir, Fotos gefällen mir, und ich würde mir wünschen, dass meine Freunde sich über mein Auslandsjahr interessieren.  Wunschdenken, genau. Der zweite Grund besteht darin, dass die Deutsche Fakultät der Uni Oxford fordert, dass wir am wenigstens alle paar Wochen etwas auf Deutsch schreiben – falls wir die Regeln der Grammatik vergessen, oder so. (Ich musste mich zwischen einen Blog und ein sehr langes Aufsatz entscheiden, und der Blog reizt mich ganz viel mehr.) Ich habe mich auch entschieden, dass ich auf Deutsch nur über besondere kulturelle Dinge schreiben werde – z.B. Sehenswürdigkeiten usw. – sodass ich keine Ermessensentscheidungen zwischen auf Deutsch und auf Englisch zu schreiben machen muss. Ich werde auch immer eine ungefähre englische Übersetzung geben. Hab Spaß!

Als Neuling in einer aufregenden Stadt wie Leipzig, hatte ich ganz viel zu sehen. Letzte Woche war ich nicht nur ganz frei, aber auch ganz einsam: mein Praktikum hatte noch nicht angefangen, und ich hatte noch niemanden hier kennengelernt. Also entschied ich mich, die touristische Attraktionen allein zu besichtigen. In Leipzig befinden sich zwei sehr bekannte Kirchen, und hier werde ich ein bisschen über sie schreiben.

Also zuerst: Die Thomaskirche. Schon vor dem Eintritt hatte diese Kirche eine besondere Atmosphäre: draußen vor der Tür spielte ein kleines Mädchen, die nicht alter als dreizehn war, die Partiten von Bach auf der Geige. Das war wunderschön. Diese Kirche ist einfach der Ausgangspunkt der Musikstadt Leipzig. Der gut bekannte Thomanerchor, der noch heute sehr beliebt ist, wurde im 13. Jahrhundert gegründet als Teil des Augustiner Chorherrenstiftes. Über einen Zeitraum von 300 Jahren blieb sie auch Leipzigs einzige Schule, also ist der Thomanerchor Leipzigs älteste Kultureinrichtung. Das aktuelle Gebäude wurde im 15. Jahrhundert umgebaht, und gilt als Beispiel obersächsischer spätgotischer Hallenkirche, aber hat auch eine barocke Turmhaube und einen neogotischen Innenraum. Von Anfang hat diese fantastische Kirche viele Leute beeindruckt. In letzter Zeit hat es mich beeindruckt: ich blieb lange sitzen, und starrte. So schön, mit so viele Geschichte. Man kriegt das alles irgendwie nicht so recht auf die Reihe. Aber vor 500 Jahren beeindruckte die Kirche auch Martin Luther, der mehrmals vor der Steinkanzel predigte.

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Musik hat seit dem Mittelalter eine sehr wichtige Rolle in der Thomaskirche gespielt. Vor 700 Jahren besaß die Musik einen sehr hohen Stellenwert im Bildungskanon: man sagte das sie die göttliche Ordnung widergespiegelt. Verbunden mit dieser Kirche sind herausragende Komponisten. Darunter war Theodor Weinlig, der Lehrer von dem weltbekannten Richard Wagner war, aber von besonderer Bedeutung ist Johann Sebastian Bach. Johann Sebastian Bach. Der Held. Er wirkte 27 Jahre als Thomas Kantor und Musikdirektor hier. Noch heutzutage singt der Chor fast jede Woche eine Bach-Kantate, und es gibt in der Seitenkapelle eine Ausstellung über das Leben und die Werke von Bach.

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the man, the myth, the legend

Mit der Reformation erfuhr die Kirchenmusik eine Neubewertung. Die Thomasschule kam in Jahr 1543 unter städtisches Patronat. Danach bis zum 1902 stand die Schule direkt neben der Kirche, und in der Schule wohnte die Schüler mit dem Rektor und dem Kantor. Noch heute leben und lernen die Thomaner nur ein Kilometer von der Kirche, also haben sie genug Zeit, zu proben, zu singen, und Schularbeit zu machen.

Ich freue mich sehr, meine neue Stadt mit dieser beliebten Kirche und diesem fantastischen Chor zu teilen. Ich habe vor, sehr oft an Konzerten hier zu gehen.

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Nach dem Mittagessen – Currywurst mit Bratkartoffeln, natürlich, ich wollte etwas touristisches – ging ich direkt in der Nikolaikirche. Bei der Betrachtung von außen sieht diese Kirche nicht so anders als die Thomaskirche aus, also erwartete mich etwas ganz ähnliches zu sehen. Ich hätte nicht überraschter sein können. Was besonders schön ist ist die Decke, aber die Halle ist so groß, dass man diese wunderbare Decke ohne den Kopf hochzuziehen einfach sehen kann. Sie sieht einfach wie eine Hochzeitstorte aus, mit riesigen rosa-farbigen Säulen und kunstvollen grünen Verzierungen. Ein deutlicher Gegensatz zu  den grauen Außenwände!IMG_6220
Die Nikolaikirche ist die älteste Leipziger Kirche und wurde im 12. Jahrhundert errichtet: im Jahr 2015 feiert diese Kirche ihr 850jähriges Bestehen. Die aktuelle wunderschöne Decke ist relativ neu: die Kirche wurde ursprünglich im romanischen Stil erbaut, aber wurde im 16. Jahrhundert zur spätgotischen Hallenkirche erweitert, und bekam im 18. Jahrhundert diese klassizistische Umgestaltung. Wie die Thomaskirche ist die Nikolaikirche mit J.S. Bach verbunden: hier absolvierte er im 1723 sein Probespiel für das Amt des Cantors. Auch hier wurden seine Johannes-Passion und sein Weihnachtsoratorium uraufgeführt.

Mir gefällt die Nikolaikirche am besten, weil sie einfach so wunderschön war. Ich konnte es mich kaum vorstellen, und die Bilder tun ihr nicht Genüge, doch möchte ich Ihnen ein paar mehr Bilder hinterlassen!

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***** ENGLISH *****

There are two reasons I started to write this blog. The first was that I wanted to: I like writing and I like photos and I’d like to think that maybe people are at least a little bit interested in my year abroad life. (Wistful, I know). The second is that the Oxford German department requires that we blog in German at least every few weeks to make sure that we haven’t forgotten how to write. Or something. (It was either that or writing a really long essay auf Deutsch and, well, I thought this would be more fun.) To avoid having to make arbitrary decisions between writing in German and English, I’ve decided that my German posts will be about specific cultural things – places of interest that I’ve visited and so on – and I’ll provide an English translation/explanation too. Enjoy.

As a newbie in an exciting city like Leipzig, there was a lot I wanted to see. Last week I was not only completely free but also completely alone: my internship hadn’t started yet, and I didn’t know anybody here at all. So, I decided to do all the tourist stuff by myself. There are two really famous churches in Leipzig, and I’m going to write about them here.

So, first: the Thomaskirche. Even before I went in, this place had a special feel about it: outside the door, a girl, who couldn’t have been older than thirteen, played Bach violin partitas, beautifully. It was in this church thatLeipzig’s reputation as a city of music was born. The well known Thomaner-choir, still much loved today, was founded in the 13th century as part of the augustinian monastery. For about 300 years it was the only school in Leipzig, and so the choir is Leipzig’s oldest cultural foundation. The current building was built in the 15th century, and is an example of a late Gothic, upper-Saxon nave church. It does, however, have a baroque tower and a neo-gothic interior. From its beginnings, this wonderful church has made an impression on so many people: most recently, me. I sat there for a long time, staring. It was just so beautiful, with such a history – hard to take it all in. Yet, 500 years ago, it impressed Martin Luther too, who preached on numerous occasions from the stone pulpit.

Since the middle ages, Music has been a vital part of the life of this church. 700 years ago, music was integral to biblical teachings: it was said to mirror holiness. Several noteworthy composers are connected with the church, among them Theodor Weinlig, who taught the wonderful, prolific operatic composer Richard Wagner. Of special importance, though, is Johann Sebastian Bach. Bach!! The hero. He worked as Cantor and Director of Music here for 27 years. Even today, the choir sings a Bach Cantata almost every week, and there’s an exhibition in the side-chapel about his life and works.

The Reformation brought with it a new meaning for church music. In 1543 the Thomas School was put under the patronage of the city. From then until 1902 the school was right next to the church, where  students lived along with the Priest and the Cantor. Today, the choirboys still live and study just a kilometre away from the church, allowing them enough time to practise and perform as well as doing their academic work.

I’m super excited to be sharing my new city with this wonderful choir and intend to go to concerts here as often as possible.

After lunch – currywurst with fried potatoes, obviously; I wanted something touristy! – I went straight to the Nikolaikirche. When you look at it from the outside, it doesn’t look particularly different to the Thomaskirche, and I was expecting to see something pretty similar. I couldn’t have been more surprised. The ceiling is particularly beautiful, but the nave is so big that you don’t even have to strain your neck to see it. It looks a lot like a wedding cake, with huge pink pillars and ornate green flourishes. A stark contrast to the grey outside walls!

The Nikolaikirche is the oldest church in Leipzig, built in the 12th century. This year it’s celebrating its 850 year anniversary! The beautiful ceiling of today is, then, relatively new: the church was originally built in a roman style, but the late-gothic nave was expanded in the 16th century, and the classical decoration was added in the 18th century. Like the Thomaskirche, the Nikolaikirche has connections with J.S. Bach: it was here that he took his audition for the position of Cantor. His St. John’s Passion and his Christmas Oratorio both had their debut performances here too.

I think I liked the Nikolaikirche best of all, just because it was so amazingly beautiful. I could hardly believe it, and the pictures hardly do it justice – yet I leave you with a few more.

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